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Kirchenkonzert

Am Reformationstag, dem 31.10.2017, wurde um 11.15 Uhr in der Kilianskirche Heilbronn Mendelssohns Reformationssinfonie aufgeführt, der Strawinskys "Dumbarton Oaks" vorangestellt wurde. Über diese Aufführung schrieb die Heilbronner Stimme unter der Überschrift

Reformation: Sinfonisch und beschwingt (Ulrich Enzel):

500 Jahre Reformation. Überall überlebensgroß Martin Luther. Was kann man nur tun, um diese Zentrierung zu relativieren? Den Verantwortlichen der Kilianskirchengemeinde wie den Heilbronner Kirchenmusiktagen kann man nur gratulieren. Denn unbefangene Vertreter der nächsten Generation mit der Aufführung von Felix Mendelssohn-Bartholdys Reformationssinfonie zu betrauen, richtet den Blick unbeschwert und lebendig nach vorn. Und die Junge Orchesterakademie der Region Franken erfüllt in ihrem 25. Jubiläumsjahr unter der Leitung von Michael Böttcher jugendlich beschwingt nicht nur diese Aufgabe. Indem sie Mendelssohns Reformationsverherrlichung Igor Strawinskys "Dumbarton-Oaks-Concerto" voranstellen, schlagen sie einen befreienden Spannungsbogen auch zur Bachkantate, die eben im Festgottesdienst erklungen war. Beherzt gehen sie an diese Aufgabe und man spürt die Begeisterung, mit der das JOA-Kammerensemble Strawinskys Ironisieren und Konterkarieren vertrauter Barock-Strukturen meisterhaft-virtuos und in beweglicher Lebendigkeit realisiert.   Dass sich im zweiten Satz viel Witziges entfaltet, mag manch Lächeln in den Kirchenraum zaubern. Zu befreiender Heiterkeit gesteigert, wenn im dritten Satz Till Eulenspiegels lebensvolle Weisheit über würdemuffige Richter triumphiert.


Eine ganz andere Festlichkeit zelebriert die JOA als großes Sinfonieorchester. Mit kluger Gestik führt Böttcher seine engagierten Musiker zu einer schlüssigen Interpretation der Reformationssinfonie. 1830 zur 300. Jahrfeier der Augsburger Konfession komponiert, hat diese Werk einen schicksalhaften Bezug zu Heilbronn. 1530 trat auch unsere Stadt diesem Bekenntnis bei - die Folgen sind bekannt.


Würdevoll spannt das Andante des ersten Satzes mit Zitaten des Gregorianischen Magnificat einen weiten Bogen zur Uraufführung bei der abendlichen Reformationsfeier. Dann geht es in rasendem Tempo, doch immer differenziert in die kontrastreichen Schlachtengemälde des Allegros und zu einem schwungvollen Festtagstanz in glanzvoll geschmücktem Rahmen. Zarte Innerlichkeit zaubern sie mit dem Gebet des dritten Satzes in das nüchterne Kirchenschiff. Und sogar das schier erdrückende Pathos von Luthers fester Burg im mächtigen Choral-Schlusssatz vermeidet Böttcher durch geschmeidige Tempi, leitet mit feinem Gestalten schillernder Details hin zum erlösenden Jubel. Ergriffene Zuhörer danken es mit anhaltendem Beifall. 

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