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  • Astrid Link / stimme / heilbron

Hörgenuss auf hohem Niveau

Junge Orchesterakademie begeistert beim Konzert

„Unter der Pyramide“


Ein akustisches Landschaftsporträt voller emotionaler Klangschattierungen und einem Leitmotiv, das zu den berühmtesten Werken der Programmmusik gehört – solches an den Konzertbeginn zu stellen, ist als Spannungsbogen klug gedacht. So können die rund 250 Gäste „Unter der Pyramide“ der Kreissparkasse bei Bedrich Smetanas (1824-1884) populärer Komposition „Die Moldau“ ankommen, sich entspannen und mit einer lautmalerischen Reise auf den Abend einlassen. Sanft lassen die Violinen das Wasser fließen, die Querflöten vertonen das Plätschern einzelner Wellen, bevor alle weiteren Instrumente eingreifen und die instrumentale Vielfalt der jungen Musiktalente den Saal durchströmt.



Premiere: Ein drängendes melodisches Auf- und Abschwellen verkörpert die Stimmungsskalen der sinfonischen Dichtung, die als freies Rondo aufgebaut ist und das Hauptthema, den eigenwilligen Charakter des Verlaufes der Moldau, in individuellen Episoden umrahmt. Die Junge Orchesterakademie der Region Franken lässt mit ihrem harmonischen Zusammenspiel virtuelle Bilder entstehen, folgt dem dynamischen Dirigat von Timo Heller in der fanfarenartigen Jagdepisode genauso selbstverständlich wie im ländlichen Polka-Intermezzo, einem poetischen Nocturne und der dramatischen Stromschnellen-Passage bis zum donnernden Schluss. Der begeisterte Applaus freut auch Michael Böttcher, der den musikalischen Nachwuchs 32 Jahre leitete.


„Heute haben wir das erste Projekt nach 32 Jahren ohne Michael Böttcher. In zahlreichen Kammermusikprojekten und Sinfoniekonzerten hat er die jungen Leute spüren lassen, wie toll es ist, Teil einer großen Musik zu sein,“ sagt Sylvia Gassert, erste Vorsitzende des Fördervereins der Jungen Orchesterakademie. Hans Stechele, zweiter Vereinsvorsitzender, und der langjährige Wegbegleiter und Kontrabassist Claus Kühner schließen sich ihrem Dank an.


„Ich fasse mich kurz, danke auch und wünsche Timo Heller alles Gute,“ antwortet Michael Böttcher.


Mit der orchestrierten Version der „Introduction et Rondo Capriccioso, op. 28“ von Camille Saint-Saëns (1835–1921) rückt Solistin Alexandra Fritzsch in den Fokus. Ihre Violine startet mit einem sanften Entrée, das sich jubilierend entfaltet, bevor das Orchester dominiert. Die Virtuosität der Bogenführung der mehrfachen Bundespreisträgerin des Wettbewerbs „Jugend musiziert“ fasziniert genauso wie die unglaubliche Intensität des Spiels. Die Saiten scheinen zu tanzen bei diesem spritzig-eigenwilligen Rondo, das als kapriziös gilt und in dem der pikante Tanzrhythmus der „Opéra Bouffe“, der komischen Oper, steckt. Bravo-Rufe und frenetischer Applaus lassen die junge Künstlerin erneut zur Violine greifen.


„Recitativo und Scherzo Caprice“, eine Komposition des österreichischen Komponisten Fritz Kreisler (1875–1962), führt zu weiteren Begeisterungsstürmen. Nach einer Pause führt Timo Heller sein Orchester durch den längsten Konzertteil.

Fulminant Die Bandbreite musikalischen Könnens genießt das Publikum bei Robert Schumanns (1810–



1856) „Sinfonie Nr. 4 in d-moll“, die er 1841 zum Geburtstag seiner Frau Clara fertigstellte, aber erst 1851 veröffentlichte, nach einer umfassenden Überarbeitung und Neuinstrumentation. Chronologisch ist sie Schumanns zweite und letzte Sinfonie. Die heute als zweite und dritte Sinfonie bekannten Werke entstanden später. Vier Sätze folgen aufeinander, lassen die Bläser fast schrill erklingen, bevor die Klangraffinesse gefälliger wird. Wie Donnergrollen ertönt die Pauke, im Wechsel von konzertanter Leichtigkeit und drängender Dynamik. Die Gefühlslage der Komposition spiegelt sich in Hellers Mimik und Dirigat wider. Der fulminante Schluss gipfelt in Standing Ovations, denen mit einem Moldau-Intermezzo gedankt wird.


 

Text: Von Astrid Link / Freitag, 08. März 2024 / stimme / heilbronn

Bild: Mario Berger

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